Täglich verdrehe ich meine Augen und kämpfe meine Kämpfe.. gegen mich selber und viel zu oft mit Menschen da draußen, die eine Wertvorstellung haben, die mich wütend macht. Diese Begegnungen mit Menschen sind für mich alltäglich geworden und ich fahre ganz nach dem Motto von Genetikk:
„Du brauchst kein Heiliger zu sein, ein Mensch reicht. Und willst du alle Menschen retten, rette ein“.
Wenngleich ich mich über das fehlende Gendern aufregen könnte, so haben die Jungs doch recht: manchmal reicht es, nur einen einzigen Menschen zum Nachdenken zu bewegen.
Gestern aber bewegte nun mich etwas zum Nachdenken. Ein Thema, das ich bisher aufgeschoben habe, weil es mir unwichtig erschien:
Kinder. Kinder in Poly-Geflechten.
Ich möchte keine eigenen Kinder und Familie im klassischen Sinne, ist das Letzte was ich mir erträume. Eigentlich war mir auch immer klar, dass ich keine Kinder in anderen Beziehungen möchte. Dass also keine_r meiner Partner_innen Kinder möchte oder gar hat. Die Umsetzung war wohl bisher etwas naiv gedacht. Ist es doch schon schwer genug, überhaupt Menschen mit Polyherz kennenzulernen und je älter ich werde, desto häufiger gibt es eben auch Menschen mit Kinderwunsch oder Kindern.
Gestern hat mich die Realität eingeholt, denn ich habe einen Menschen kennengelernt, der bereits ein Kind hat. Schock.
Ich bin wirklich erstarrt. Ich wusste mit all den Gefühlen, die da plötzlich auf mich einpreschten, gar nicht umzugehen. Ich wusste nicht mal, was genau diese plötzliche Panik in mir auslöste.
Auf diesen Schock trank ich erstmal eine Pulle Wein. Blöde Idee. Die Wirkung hat natürlich nur den Abend geholfen und ich als Sozialpädagogin sollte doch wissen, dass Alkohol keine Lösung ist. So sitze ich nun am nächsten Tag in meinem Bett und die Gefühle von gestern sind wieder da. Tja, ich muss wohl anfangen mich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Doch irgendwas in mir schreit:“du musst gar nichts!“. Danke Gewissen, das weiß ich selber. Aber der Mensch, den ich da kennengelernt habe ist, spannend und möchte ich nun jeden Menschen mit Kind kategorisch aussortieren? Vielleicht komme ich irgendwann an den Punkt, wo ich so scharfe Grenzen ziehe, immerhin gibt es einfach Dinge im Leben, die nicht mit Kompromissen gelöst werden können. Und Kinder sollten definitiv kein Konstrukt eines Kompromisses sein.
Wie lässt es sich also leben in einer Beziehung mit einem Menschen, der bereits in einer anderen Beziehung Kinder hat? Und wie funktioniert das für den Menschen, der keine Kinder möchte?
Ich lasse mich auf das Abenteuer ein, mit Angstschweiß auf der Stirn und zittrigen Händen. Vielleicht kann ich bald mehr berichten.